Die Orestie

Aischylos

Die erste vollständig erhaltene Tragödien-Trilogie des Theaters handelt vom Ende eines Fluchs und beginnt mit einer ausweglosen Familientragödie. Auf Schuld folgt Vergeltung, aus Vergeltung wird weitere Schuld, so schreibt sich das Schicksal seit Generationen fort. Um Glück für den Trojanischen Krieg zu erflehen, hatte König Agamemnon die Tochter Iphigenie geopfert. Seine Frau Klytaimnestra kann die Tat nicht verwinden und tötet ihn nach seiner siegreichen Wiederkehr hinterrücks, um die Tochter zu rächen. Die Stadt stöhnt unter ihrer und ihres Geliebten Willkürherrschaft - bis der verschollene Sohn Orest zurückkehrt und beide erschlägt, um den Vater zu rächen. Fortan hetzt Orest atemlos durch das Land, verfolgt von den Erinnyen, den Rachegöttinnen, die Vergeltung für den Muttermord fordern: »Zahlen musst du, Schlag um Schlag, Mord um Mord, Recht um Recht, Schuld um Schuld«. Doch dann ereignet sich das Ungeheuerliche. Die kluge Göttin Athene schafft es, den Menschen vom Wahnsinn des wechselseitigen Mordens zu erlösen. Sie besänftigt die Erinnyen, ersetzt individuelle Rache durch eine geordnete Rechtsprechung und lehrt Menschen und Götter das Prinzip der Verzeihung.

In einer gesellschaftlichen Umbruchsituation beschreibt der Dichter Aischylos mit der Orestie die Hoffnung auf einen fundamentalen Wandel des europäischen Denkens von Blutschuld und Rache zu Vergebung. Und er beschreibt den Gründungsmythos der Demokratie.

Theater am Alten Markt
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