Bach

6. Symphoniekonzert

Johann Sebastian Bach
Messe in h-Moll BWV 232

Wenn die Sprache auf Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe kommt, scheint ein Superlativ den anderen übertrumpfen zu wollen. Vom »Mont Blanc der Kirchenmusik«, wie Franz Liszt sie nannte, ist es nicht weit bis zu der »Ankündigung des größten musikalischen Kunstwerks aller Zeiten und Völker« durch den Verleger Hans Georg Nägeli, so dass es geradezu selbstverständlich erscheint, dass das Manuskript seit 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehört.
Bis heute gibt Bachs letztes Chorwerk Rätsel auf; nicht nur aufgrund der verwickelten Entstehungsgeschichte, die fast ein Vierteljahrhundert umspannt. Als gänzliche Neuschöpfung kann die h-Moll-Messe nicht gelten, wie damals üblich fügte Bach Parodien bereits existierender eigener Musiken mit neuen Kompositionen zu einer Missa tota zusammen. Über seine Beweggründe für diese vollständige Vertonung des Messordinariums kann man nur spekulieren, eindeutige Dokumente fehlen. Die monumentalen Dimensionen standen einer Aufführung im Gottesdienst im Weg und die lange Kompositionsdauer weist darauf hin, dass kein Auftraggeber im Hintergrund drängte. Hegte Bach überhaupt die Hoffnung, seine Messe jemals aufgeführt zu erleben? Oder gedachte er, ein künstlerisches Vermächtnis auf dem Gebiet der Vokalmusik zu hinterlassen, ähnlich wie mit seiner letzten Instrumentalmusik, der unvollendet gebliebenen Kunst der Fuge?
Was auch immer den entscheidenden Impuls gegeben haben mag, Bach zog in diesem liturgischen Rahmen eine Quintessenz der Kirchenmusik des Barock sowie seines eigenen Schaffens. Eine Vielfalt musikalischer Stile und Formen, kontrapunktische Strenge und tiefsinnige musikalische Textdeutung, Kontemplation und Affekt, Zeitbezogenes wie Zeitloses fügen sich zu der Einheit eines wahren Opus summum et ultimum.

Rudolf-Oetker-Halle
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