Kirsten Klöckner - Wunschprogramm

Aquarelle

« C‘est le regardeur qui fait l’oeuvre »
Der Betrachter macht das Werk. (Marcel Duchamp)
In diesem Falle trifft dieser Satz absolut zu, denn Kirsten Klöckner fragt Fremde und Freunde, Männer, Frauen und Kinder nach deren Wünschen. Das bedeutet, dass den Anfang tatsächlich der Betrachter macht. Es ist ein partizipatorisches Projekt. Der Wünschende darf seinen Wunsch äußern, kann sich aber nicht sicher sein, dass Gewünschte zu bekommen. Inzwischen sind mehr als 100 Aquarelle aus diesen Wünschen entstanden.
Die bildliche Umsetzung und Interpretation übernimmt die Künstlerin. Mal tut sie dieses direkt wörtlich, was den Arbeiten einen augenzwinkernden Humor verleiht. Wenn sich z.B. jemand für seine Lieblingsfußballmannschaft mehr Tore wünscht, dann malt sie einen Rasenplatz, der so unendlich vollgestopft ist mit vielen Toren und noch mehr Bällen, dass fast nichts anderes mehr ins Bild hineinpasst. Es ist, als ob sie es zu gut meint und durch den übereifrigen „guten Willen“ den Wunsch ad absurdum führt. Bei dem Wunsch nach mehr Zeit sind bei der dargestellten Uhr leider alle Zeiger abgefallen, aber nun hat man unendlich viel Zeit.
Die Wünsche, die Kirsten Klöckner begegnen, können unterschiedlicher gar nicht sein. Von völlig Banalem über Humorvollem bis hin zu tiefgründig Philosophischem ist so ziemlich alles dabei, was die Menschheit sich vorstellen kann an Möglichem und Unmöglichem. Hier sind einige Beispiele: Mehr Tage im Februar, Der Tod soll sterben, Eine kleine Katze, Schlagfertigkeit, Die Nazikeule, Ein deutliches Ja …
Manchmal formuliert die Künstlerin den Wunsch auch einfach um. Als sich jemand mehr Toleranz wünschte, erfand sie einfach das „Toleranzvirus“ (siehe Abbildung) und das ist genau das was die Menschheit unbedingt braucht. Wer sich damit infiziert, wird sofort tolerant, wie großartig wäre das? Die Phantasie des Betrachters wird sofort stimuliert und man macht sich Gedanken darüber, wen man denn gerne mit diesem Virus anstecken möchte, beim dem überall zunehmenden Hass auf andersartige Menschen. Warum nicht gleich eine weltweite Epidemie auslösen, oder reicht es, sich den fremdenfeindlichen Nachbarn vorzuknöpfen, der immer über die Migranten schimpft?
Man stellt sich nun die Frage, was ist überhaupt wünschenswert? Und was wünscht man sich, wenn man nur einen Wunsch nennen soll? Die Unterscheidung von wichtig und unwichtig, richtig und falsch steckt in so einem Wunsch. Vielleicht ist auch der kleine banale Wunsch viel wichtiger, weil er Farbe ins Leben bringt und dem grauen Alltag einfach nur etwas mehr Glanz verleihen kann. Und was wünscht man sich im Großen? Soll es etwas Gutes für mich, meine Lieben oder lieber gleich für die ganze Menschheit sein? Oder gar für den gesamten Planeten und alle zukünftigen Generationen, die auf ihm leben werden? Man fragt sich, was fehlt eigentlich? Wo soll man anfangen, die Welt ist so groß und ein Din A2 Aquarell von Kirsten Klöckner so klein? Es ist die Unmöglichkeit, alles zu erfassen und darzustellen. Deswegen ist die Auswahl, die dabei zustande kommt, nur ein Versuch und natürlich ein vergeblicher. Das macht diese Bilder so unendlich interessant.
Kirsten Klöckner lebt und arbeitet in Berlin. Die gebürtige Braunschweigerin hat Bildhauerei an der Kunstakademie Münster in der Klasse von Ruthenbeck studiert. Von 1992 bis heute sind ihre Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen bundesweit gezeigt worden. In ihrem Projekt „Beutekunst I, II und III" geht es um Kommunikation und Interaktion. Die drei Teile dieses Kunstkonzeptes handeln von unbekannten Bildern eines DDR-Archivs, denen sie Details entnommen hat, über von ihr ernannten Musen, die sie auf überraschende Weise portraitierte, bis hin zum hier gezeigten „Wunschprogramm“. Sie setzt sich darin mit offen „erbeuteter“ Inspiration auseinander. Die Künstlerin macht also kein Geheimnis daraus, woher ihre Ideen kommen, behält aber trotzdem ihre absolute künstlerische Freiheit in der Umsetzung.
Neben den Original-Aquarellen werden auch gerahmte Grafikeditionen und Postkarten angeboten. Wer selbst einen Wunsch äußern möchte, kann dies immer gerne tun. Bei der Eröffnung am 7. Juli im Rahmen der Veranstaltung „Kunst und Kultur in Karree“ wird die Künstlerin anwesend sein und gerne Wünsche persönlich entgegennehmen.

atelier D
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