Konzert des Ensemble Earquake

Konzert des Detmolder Ensemble Earquake aus Anlass des 10. Todestages von Mauricio Kagel

Am 18. September 2008 starb der argentinisch-deutsche Komponist Mauricio Kagel im Alter von 76 Jahren in Köln. Kagel gehört zu den weltweit herausragenden Persönlichkeiten der Neuen Musik. Aus Anlass des zehnten Todestages des Komponisten stellt das an der Hochschule für Musik Detmold beheimatete Ensemble Earquake in einem Konzert am 14. Oktober um 17.00 Uhr im Audimax der Universität Bielefeld kammermusikalische Werke von Kagel vor.

Mauricio Kagel studierte in Buenos Aires Literatur (u.a. bei dem berühmten Schriftsteller Jorge Luis Borges) und Philosophie. Seine Ausbildung zum Komponisten verlief weitgehend autodidaktisch. 1957 kam er erstmals nach Köln – damals ein Mekka der Neuen Musik –, arbeitete dort am Studio für elektronische Musik und gründete 1960 das Kölner Ensemble für Neue Musik. Nach vielen internationalen Zwischenstationen wurde er 1974 Professor für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt.

Kagels Werk zeichnet sich durch eine erstaunliche Breite aus und ist in seiner Originalität und intellektuellen Reflektiertheit keiner gängigen Richtung der Neuen Musik zuzurechnen. Er komponierte nicht nur für alle denkbaren musikalischen Genres von der Kammermusik bis zum Musiktheater, sondern drehte auch Filme wie „Ludwig van“ von 1970, eine Hommage an Beethoven, die aber vom unvorbereiteten Publikum als Veralberung verstanden wurde, oder produzierte Hörspiele wie „Der Tribun“, in der die größenwahnsinnige Selbstdarstellung und Rhetorik von Diktatoren auf genialische Weise der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Auf Kagel geht wesentlich das „Instrumentale Theater“ zurück, bei dem neben der Musik auch alle anderen akustisch nicht wahrnehmbaren Dimensionen des Musizierens wie Mimik, Gestik und Aktionen sehr bewusst einbezogen werden. In seinen Theaterproduktionen können sogar die Requisiten und Kulissen ein Eigenleben als Akteure bekommen. Sein „Staatstheater“ konnte 1971 in Hamburg nur unter Polizeischutz uraufgeführt worden, weil es zuvor massive Drohungen gegen einen derart „respektlosen“ Umgang mit dem traditionellen Musiktheater gegeben hatte. Kagels grotesker und abgründiger Humor stellt alles in Frage, was im gängigen Musik- und Theaterbetrieb en vogue ist, ignoriert souverän die Grenzen der üblichen Genres und überrascht dabei zugleich durch eine schier unerschöpfliche Kreativität im Um- und Neudenken des Gewohnten: In „Match“ von 1964 wetteifern zwei Cellisten akustisch-sportiv gegeneinander, und ein gelegentlich eingreifender Schlagzeuger ist Schiedsrichter, „Aus Deutschland“ ist das Neuarrangement zuvor bis in kleinste Partikel zerlegter klassischer Kunstlieder, und in seine «Phantasie für Orgel und Obligati» baute Kagel sogar eine Toilettenspülung ein – letzteres sicher ein besonders ungewöhnliches Resultat seiner Suche nach immer neuen Möglichkeiten der Klangerzeugung.

Zwischen Kagel und der Universität Bielefeld gibt es übrigens einen ganz direkten Bezug: 1989, bei den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Universität, inszenierte er in der Uni-Halle sein preisgekröntes Hörspiel „Der Tribun“ - mit ihm selbst in der Titelrolle.

Die jungen Musiker des Ensemble Earquake präsentieren in Bielefeld einen charakteristischen Querschnitt durch Kagels kammermusikalisches Schaffen. Gefördert durch die Kunststiftung NRW sind sie dazu zuvor bei dem renommierten Kölner Ensemble Musikfabrik in die Lehre gegangen – eine der ersten Adressen, wenn es um Neue Musik geht. Konzeption und Einstudierung des Konzerts liegen beim Ensemble Musikfabrik und bei Merve Kazokoglu, der Leiterin des Ensemble Earquake. Das Konzert in Bielefeld ist eines von vieren, in denen sich Musiker der HfM Detmold im Oktober mit dem Werk Mauricio Kagels auseinandersetzen. Es findet im Rahmen von Campus OWL, des Kooperationsverbundes der fünf staatlichen Hochschulen der Region, statt.

Der Eintritt zu dem Konzert ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Universität Bielefeld
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