Papiertiger oder Politikwandel?

Gleichstellungspolitik in Japan

VHS-Bielefeld, Raum 240
Dr. Phoebe Stella Holdgrün, Universität Bielefeld


Die Frau in Japan wurde noch in den 70iger Jahren auf ihre Rolle als Mutter, Hausfrau und Pflegerin von Angehörigen reduziert. 1979 unterzeichnete Japan die "UN Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau" und entwickelte nachfolgend auf dem Papier durchaus ehrgeizige Ziele zur Gleichstellung. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist das Inkrafttreten des "Basic Law for a Gender-equal Society" im Jahr 2000, das eine Gesellschaft mit "gemeinsamer Partizipation" von Männern und Frauen als Ziel vorgibt.

Doch aller progressiven Ziele und Slogans zum Trotz liegt Japan auch heute immer noch, was die ökonomische und politische Partizipation von Frauen angeht, im internationalen Vergleich weit abgeschlagen: 2017 belegte Japan beim Global Gender Gap Report nur den 114. Platz von 144 Ländern.

In ihrem Vortrag geht Dr. Phoebe Stella Holdgrün anhand von Beispielen aus ihrer Feldforschung rund ein Jahrzehnt nach der Unterzeichnung des "Basic Law" in den Präfekturen Nagasaki und Shiga den Gründen für dieses schlechte Abschneiden trotz hoher Ziele nach, indem sie nach der Art und Weise der Umsetzung von Gleichstellungspolitik in Japan fragt. Die Präfektur Shiga war zum Zeitpunkt der Untersuchung eine im nationalen Vergleich in Sachen Gleichstellung sehr gut aufgestellte Präfektur, die sogar von einer Gouverneurin geführt wurde. Nagasaki dagegen gehörte zu den Schlusslichtern unter allen Präfekturen.
Dr. Holdgrün hinterfragt die Mechanismen, die dort jeweils wirkten, und schlägt den Bogen zu der aktuellen Politik des japanischen Ministerpräsidenten Abe zur Förderung der Frau: "Womenomics" soll Frauen auch in der Gesellschaft "leuchten" lassen - aber handelt es sich nicht doch eher wieder um einen Papiertiger anstelle von substantiellem Politikwandel?

Phoebe Stella Holdgrün promovierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit einer Politikfeldanalyse zur Implementierung von Geschlechtergleichstellung in Japans Präfekturen. Seit 2012 war sie Mitarbeiterin und von Februar 2015 an stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ). In ihren wissenschaftlichen Projekten setzte sie sich unter anderem mit Fragestellungen zu politischer Partizipation und zu Gleichstellungspolitik auseinander. Sie leitete außerdem ein multidisziplinäres Forschungsteam zu Risiken und Chancen von Diversität in der japanischen Arbeitswelt. Seit November 2017 leitet sie das Projekt „Diversität – diversity policy“ an der Universität Bielefeld. Dabei koordiniert sie die Erarbeitung und Abstimmung einer universitätsweiten Diversitätsstrategie.

Ravensberger Spinnerei / VHS
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