5. Symphoniekonzert (2/2)

Beethoven in zwanzig Tagen

Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21
Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 Eroica


Wenn Beethoven der Gattung Symphonie den Ritterschlag verlieh, den sie bis ins 20. Jahrhundert tragen sollte, dann war die dritte Symphonie die erste hierfür entscheidende Heldentat. Nicht nur, weil sie per Drucklegung im Jahr 1806 den Beinamen Eroica (die Heldenhafte) erhielt, sondern weil sie in Zugriff, Balance, Größe, Gestalt und Gestaltung etwas entschieden Neues darstellte. Beethoven hat hier gewissermaßen zu sich selbst gefunden und einen Wurf getan, der seinesgleichen sucht. Es war, als hätte ein größerer Maßstab um sich gegriffen, der sich nicht nur auf die Spieldauer, die Besetzung und den Grad der Entwicklung des musikalischen Materials auswirkte, sondern auch auf Energieentfaltung und Aussagekraft der Musik. Ob dabei nun seine Bewunderung für den starken Mann in Paris, Napoleon Bonaparte, den Ausschlag gab, die Hoffnung auf eine neue Gesellschaftsordnung oder die wachsende Verzweiflung angesichts seiner beginnenden Ertaubung - oder alles zusammen, ist angesichts des Ergebnisses eher zweitrangig. Auch seine erste Symphonie, Ausgangspunkt für diese Entwicklung, war alles andere als ein Jugendwerk. Der fast 30-jährige Komponist hatte in Sonaten und kleineren Formen die Sprache für die „Königsdisziplin“ herangebildet, sich Mozarts Klangästhetik und Haydns Themenbehandlung zueigen gemacht, auch vor Einflüssen französischer Musik die Ohren nicht verschlossen und im April 1800 eine Symphonie von großer Reife vorgelegt, die ihm große Aufmerksamkeit eintrug. War die Dritte Beethovens erster bedeutender Schritt in die Zukunft, so stellt die erste eine Art Bestandsaufnahme, zugleich ein Ausloten des Traditionellen dar.

 

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Rudolf-Oetker-Halle
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