Sexueller Exzeptionalismus. Überlegenheitsnarrative in Migrationsabwehr und Rechtspopulismus

Lesung mit Gabriele Dietze

Ein zentrales Motiv der Abwehr von Migration insbesondere aus islamisch geprägten Ländern ist die Annahme einer generellen sexuellen Rückständigkeit und Gefährlichkeit von Migrant_innen. Dem setzt der dominante Diskurs eine überlegene okzidentale sexuelle Moderne entgegen – einen »sexuellen Exzeptionalismus«. Gabriele Dietze dekonstruiert diese sexualpolitisch fokussierte Charakterisierung von Migration als Strategie, die eine emotionalisierte ›Politik der Angst‹ nutzt, um einen ethnonationalistischen Diskurs voranzutreiben. Sie stellt damit ein neues Begriffsrepertoire zur Verfügung, das in die männlich dominierte Rechtspopulismusforschung interveniert. Sie beleuchtet einerseits koloniale Genealogien und zeigt andererseits, wie Gender in unterschiedlichen, intersektionalen Konstellationen – hierzu zählen die Krise weißer Männlichkeit, neoreaktionärer Homonationalismus und neurechte, identitäre und rechtspopulistische Weiblichkeiten – als Plattform der Austragung von Kämpfen um Distribution, Anerkennung und kulturelle Hegemonie im neoliberalen Spätkapitalismus artikulieren. Phänomene wie die lesbische AfD-Vorsitzende Alice Weidel erscheinen nach der Lektüre nicht mehr als paradoxe Ausnahme, sondern vielerorts als konstitutiv für gegenwärtige rechte Politiken.

Gabriele Dietze (PD Dr.) lehrt und forscht in kultur- und medienwissenschaftlicher Perspektive u.a. zu Rassismus, Sexismus, Migration und Rechtpopulismus. Sie ist Mitglied im Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin und war u.a. Harris-Professor of Gender Studies am Dartmouth College (Hanover, NH) und Visiting Fellow am DuBois-Institute an der Harvard University (Cambridge, MA).


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