Im Rausch

Panta rhei. Alles fließt? Auch wenn Transformation und Aufbruch selten so greifbar geworden sind wie im Jahr 2020, fu?hlten wir uns vielleicht nie so ohnmächtig. In der kollektiven Isolation haben sich unsere sozialen Kontakte noch stärker in den virtuellen Raum verlagert. Wenn Blicke zwischen den Bildschirmen ins Leere laufen, Emojis die echten Gefühle ersetzen und Berührungen unmöglich sind, riskieren wir, uns nicht nur von unseren Mitmenschen, sondern zunehmend auch von uns selbst zu entfernen.

Das diffuse Knäuel von Emotionen, das wir seit Beginn der sozialen Distanzierung mit uns umhertragen, versucht Chefchoreograf Simone Sandroni in seiner ersten Kreation der Spielzeit 2020/21 zu entwirren. All die losen Enden - jene Gefu?hle, die wir in Ermangelung eines physischen Gegenu?bers nicht aus- oder gar erleben durften - werden geordnet und neu miteinander verknüpft. Daraus entspinnt sich eine ekstatische Choreografie, die die tanzenden Körper zu einem gemeinschaftlichen Befreiungsschlag gegen noch immer geltende Limitationen erhebt und unser Seelenleben, wenn auch nur fu?r einen Abend, wieder in den Fluss bringt.

Zu der treibenden Komposition des Drummers Marc Lohr entwickelt die Performance ihre eigene Dynamik und wird so zu einem Ventil für aufgestaute Energien. Dass eine Aktion zur nächsten führt und Gefühlszustände, Hochs und Tiefs organisch ineinander übergehen, lässt uns schnell vergessen, wie alles begonnen hat. »Es wird sein wie bei einem guten Rave: Danach fu?hlst du nichts mehr außer diese grenzenlose Liebe, die sich wie ein roter Faden durch unser ganzes Leben zieht.« (Simone Sandroni)

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