1. Symphoniekonzert

Beethoven - Tripelkonzert

Bohuslav Martin?*
Symphonie Nr. 1 H. 289

Ludwig van Beethoven
Tripelkonzert op. 56


Ludwig van Beethoven und Bohuslav Martin? - auf den ersten Blick zeitlich wie räumlich weit voneinander entfernt, doch musikalisch-künstlerisch harmonieren sie mehr, als hieraus zu vermuten wäre. Beethoven erwies sich auch jenseits seiner bahnbrechenden Symphonien als Visionär, der Wege abseits ausgetretener Pfade suchte. Das Tripelkonzert, das er 1803/04 u. a. für seinen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österreich schrieb, ist dafür ein hervorragendes Beispiel: Die ungewöhnliche Kombination von solistischer Violine, Violoncello und Klavier mit Orchester blieb fast 100 Jahre lang ohne Nachahmer. Bis heute gehört das Tripelkonzert zu Beethovens seltener aufgeführten Werken, wohl auch aufgrund der (durch legendäre Probenberichte dokumentierten) Schwierigkeit, drei herausragende Solisten zu einem Klaviertrio verschmelzen zu lassen. Ähnliches steht in Bielefeld glücklicherweise nicht zu befürchten, da sich mit dem Trio Jean Paul ein eingespieltes Ensemble dieser attraktiven Aufgabe stellen wird. Der Tscheche Martin? hatte sich im kulturell aufgeheizten Paris der Zwanziger- und Dreißigerjahre überaus wohlgefühlt, doch der drohende Einmarsch der Wehrmacht bewegte ihn dazu, mitten im Zweiten Weltkrieg in der »Neuen Welt« einen Neuanfang zu versuchen. Dank treusorgender Landsleute und eines bejubelten Konzerts mit seinen Werken gelang das dem bescheidenen und stillen Künstler sogar recht gut. Zur Schlüsselfigur wurde für ihn der Dirigent, Komponist und Kontrabassist Serge Kussewitzki. Der half als Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra mehreren Europa- Flüchtigen mit gezielten Kompositionsaufträgen. Martin?, der sogar die Art des bestellten Orchesterwerks frei wählen durfte, entschied sich für eine Symphonie, wollte er sich doch schon seit einiger Zeit dieser Gattung widmen. Durchaus mit Blick auf Beethoven reizte es ihn, die Eigendynamik musikalischen Materials für die Gestaltung einer Symphonie zu untersuchen, ohne dabei außermusikalische Einflüsse wirken zu lassen. Dabei bedient er sich eines ähnlichen volkstümlich-musikantischen Tonfalls wie sein Landsmann Dvorák - der ja schon lange vor ihm die »Neue Welt« bereist hatte.


*Falls die Pandemie-Situation zum Zeitpunkt des Konzertes die Aufführung nicht zulassen sollte, passen die Bielefelder Philharmoniker ihr Programm an und spielen Antonín Dvoráks Symphonie Nr. 5 F-Dur op. 76 für Sie.

Rudolf-Oetker-Halle
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