Die Normalen // Ist kein Balsam in Gilead

Anne Jelena Schulte

Was ist Wirklichkeit? Unter subjektivem Blickwinkel fallen die Antworten auf diese Frage vermutlich so zahlreich aus, wie es Menschen gibt. Dennoch herrscht ein gesellschaftlicher Konsens darüber, was die Norm und damit „normal“ ist. Wer nicht „normal“ funktioniert, wird oft als „krank“ beschrieben. Die zweite Schauspielproduktion der Neue-Wege-Reihe untersucht die Durchlässigkeit jener undefinierten Grenze zwischen „krank“ und „normal“ und beschäftigt sich mit der Institution Psychiatrie. Dafür hat die Autorin Anne Jelena Schulte im Vorfeld Psychiatrieerfahrene, Angehörige, Menschen in Beratungsstellen, Betreuer*innen und Psychiater*innen in Bielefeld befragt. Aus ihren Recherchen hat sie einen vielstimmigen Text entwickelt, der auf Rollenzuschreibungen verzichtet.

Dient die Psychiatrie den Betroffenen, der Beruhigung der Gesellschaft oder beiden? Wo liegt der Grenzbereich zwischen Psychose und Spiritualität, zwischen krankhafter Selbstzerstörung und gesunder Rebellion gegen krankmachende Strukturen? Und wo verläuft die Grenze zwischen Individuum und Familie, zwischen Arzt* und Patient*innen, zwischen Schutz und Tabuisierung, zwischen Ruhigstellung und Heilung? Wo beginnt die Klinik und wo hört sie auf? Und wird nicht schon längst am perfekt funktionierenden Menschen gearbeitet?

Diese und andere Fragen sind Ausgangspunkt für einen Theaterabend, der Perspektiven verschieben und Geschichten von den Rändern der Gesellschaft ins Zentrum rücken will.

Zum Podcast der Produktion

Projektion am Theater am Alten Markt
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