Pascal Schumacher

Noctune

Ob Mondscheinsonate oder Clubkultur, ob Nocturne oder Late Night Show: Seit jeher gehört das Nachtleben auf die Bühne. Das Noctune holt die Nachtmusik in das Hier und Jetzt - mit einer (Klang-) Synthese aus elektronischen Tunes und instrumentaler Akustik. Ensembles, Kollektive, Komponist*innen und Solist*innen machen die Nacht zum Konzert - zwischen digitalen und analogen Klängen, Klangkomposition und Live-Improvisation, atmosphärischen Sessions und kammermusikalischer Intensität. Der luxemburgische Vibraphonist Pascal Schumacher eröffnet das neue Format der Rudolf-Oetker-Halle.

Von dem italienischen Schriftsteller Umberto Eco stammt der Satz »Einsamkeit ist eine Art von Freiheit«. Eine Aussage, die auch zu SOL, dem neuesten Album von Pascal Schumacher, passt. Der Vibraphonist und Komponist hatte sich durch eine Vielzahl von Gemeinschaftsprojekten mit so unterschiedlichen Ensembles wie Quartette und Sinfonieorchester einen Namen gemacht, eher er kürzlich für sich entdeckte, wie befreiend und sinnvoll ein Soloprojekt sein kann: »Beim Alleinsein habe ich so viel über mich selbst gelernt - mehr als ich mir je hätte vorstellen können«, sagt er.

Bei Schumachers Beziehung zu seinem Instrument, dem Vibraphon, war es - wie so oft im Leben - Liebe auf den ersten Blick. »Beim Schlagzeugunterricht in meiner Kindheit war da dieses golden glitzernde Instrument. Ich konnte nicht anders als darauf zu spielen, sobald mein Lehrer den Raum verließ«, erinnert er sich. Diese Faszination kennen wohl alle, die mit dem Vibrafon vertraut sind. Seine strahlend glänzenden Platten und stufenförmig angeordneten Röhren, die beim Anschlag mit dem Schlägel metallisch und zugleich weich und geradezu ätherisch klingen. Besonders gut kommt das in Amarcord, dem ersten Stück von SOL, zur Geltung - ein einminütiges Prickeln und Bimmeln als Einstieg und Einführung in den Rest des Albums, derart sanft und intim, dass es sich fast wie eine Verführung anfühlt. »Dieser Klang - für mich hatte er schon immer eine magische Wirkung«, bemerkt Schumacher.

SOL ist zum einen von Schumachers neugewonnener Leidenschaft für die Einsamkeit mit all ihrer Anziehungskraft geprägt, zum anderen von jener wichtigsten Eigenschaft von Beziehungen überhaupt: Intimität. Das Stück Melancolia etwa vermittelt eine einzigartige Isolation, die ebenso traurig ist wie schön. Twinkle bringt ein zutiefst persönliches Gefühl von Erleuchtung zum Ausdruck. Sogar Tearjerker, eine Coverversion des berühmten Songs von Sakamoto, gerät in Schumachers Interpretation so intim, dass man sich vorstellen könnte, er hätte das Stück selbst geschrieben. »Wenn du solo spielst, wirst du wirklich mit dir selbst konfrontiert. Mit deinen starken Momenten ebenso wie mit deinen schwachen, die nicht unbedingt deine schlechtesten Momente sein müssen. Gerade diese Zerbrechlichkeit hat mitunter etwas sehr Schönes. Nicht selten entstehen aus ihr magische Dinge«, sagt er und stellt fest: »Solo zu spielen ist schon eine intensive Sache.«

Foto © Marc Lazzarini

Rudolf-Oetker-Halle
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