Madame Dubarry

31. Film+MusikFest

Im revolutionären Jahr 1919 mit seinem von Armut und Hunger gezeichneten »Steckrübenwinter« dreht der Berliner Ernst Lubitsch einen Film über das elegante Zeitalter im Frankreich der Vorrevolution. Seine Heldin ist eine Aufsteigerin, erst Hutmacherin, dann Mätresse des Königs, im letzten Bild des Films auf dem Schafott. Doch mehr Glanz als Elend zeigt der Regisseur, der gezwungenermaßen nicht an den Originalschauplätzen in Versailles, sondern in Potsdam drehen muss, wo die kulissenhaften Bauten Friedrich II. in ihrer sehnsuchtsvollen Künstlichkeit zu ihrer eigentlichen Bestimmung gekommen zu sein scheinen. Dass die Szenen des Aufstands und der Armut dagegen ausschließlich im Studio gedreht werden, erscheint nur konsequent. Die französische Presse beklagte verständlicherweise diese kulturelle Ursupation: »Die graziöse und leichte Epoche Ludwig XV., wieder erweckt durch die Herren vom Sauerkraut mit ihren kleinen runden Augen und ihren schweren Bäuchen!«, musste jedoch zugeben, dass »die Ausführung, abgesehen von einigen Irrtümern, bewundernswert ist.« Schnell, leicht, unmoralisch, abgründig und zynisch: Erleben Sie den legendären »Lubitsch touch!«

Deutschland 1919, 113 Min.
Regie: Ernst Lubitsch

Mit Pola Negri, Emil Jannings, Reinhold Schünzel, Harry Liedtke

Musik: Stephan Graf von Bothmer
Begleitung: Metropolis Orchester Berlin

Foto © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Rudolf-Oetker-Halle
Newsletter

Keine Veranstaltung mehr verpassen? Bielefeld JETZT abonnieren!