WEM GEHÖRT DER ÖFFENTLICHE RAUM?

Podiumsveranstaltung

Wie verändert sich die Bedeutung des öffentlichen Stadtraums und mit ihm der darin öffentlich zugänglichen Kunstwerke vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Historisch betrachtet unterliegt der Diskurs „Kunst im öffentlichen Raum“ seit den 1950er/60erJahren wechselnden Paradigmen. Verlagert man in den USA ab Mitte der 60erJahre bis in die Mitte der 70erJahre zunächst einfach überwiegend abstrakte, modernistische Kopien von Originalen aus den Institutionen in den öffentlichen Raum, entwickelt sich in der BRD bereits in den 50erJahren ein staatliches »Kunst-am-Bau-Programm«, das vorschreibt, bei zivilen Baumaßnahmen des Bundes bis zu 2% der Bausumme für Kunst auszugeben und es werden gezielt staatliche Aufträge für Freiskulpturen im Außenraum vergeben. In den Präsentationen von Kunst im öffentlichen Raum funktioniert dieser zumeist lediglich als erweiterter musealer Ausstellungsraum kontextloser Arbeiten, der deren beiläufige Rezeption begünstigt.
Ende der 70erJahre etabliert sich ein Verständnis, das die Schaffung kommunikativer Orte unterstützt und die direkte Einbringung künstlerischer Ideen in Prozesse der Stadtentwicklung und das Initiieren kommunikativer Prozesse zwischen Benutzern, bzw. Anwohnern erzielt. Ortsspezifische Konzepte und eine partizipative künstlerische Praxis sollen die Werke in ihre Umgebung einbinden. In einer Weiterentwicklung entwickelt sich eine politische engagierte Kunst als prozessorientiertes Arbeiten mit der Bevölkerung unter Berücksichtigung sozialer Kontexte.

Diese Paradigmen werden in der Folge immer wieder abgelöst durch Rückgriffe auf ein klassischeres Kunstverständnis – bei allen Diskussionen um die jeweils “zeitgemäße“ künstlerische Praxis im öffentlichen Raum wird jedoch oft die nähere Definition der Begriffe wie „Öffentlichkeit“, „öffentliches Interesse“ und „öffentliche Nutzung“ versäumt, so dass die Kritik an einzelnen Kunstwerken oder sogar deren Ablehnung und Entfernung auch auf der mangelnden Vermittlung und Klärung dieser Begriffe beruht.

Auftaktveranstaltungen in der Kunsthalle Bielefeld, dem Kunstverein Bielefeld und im Hermann Stenner Forum sollen interessierten Bürgern Gelegenheit geben, bereits erfolgte Aktivitäten und das Engagement der Kunsteinrichtungen für die Bielefelder Kunstwerke auch außerhalb ihrer institutionellen Wände im Stadtraum kennenzulernen, Informationen zu deren Projekten und Angeboten im Kontext der Thematik zu erhalten und mit den Leitungen der Institutionen ins Gespräch zu kommen.
Das anschließende, ebenfalls an das öffentliche Publikum gerichtete Podiumsgespräch unter Teilnahme der Initiatoren des Regiopole-Netzwerks »Kunst im öffentlichen Raum in Bielefeld, Gütersloh und Herford» sowie überregionalen Gästen in der Kunsthalle Bielefeld soll unter der Fragestellung »Wem gehört der öffentliche Raum?« insbesondere die verschiedenen Auffassungen und möglichen Definitionen von Ortsspezifität beleuchten, vor dem Hintergrund, längerfristig im Rahmen des 2020 gegründeten Netzwerks Grundlagen für ein gemeinsames Commitment der Städte zu ihrer Kunst im öffentlichen Raum zu erarbeiten.

Öffentliche Auftaktveranstaltungen in den drei Kunstinstitutionen.
Gastgebende Lokalität für die Podiumsveranstaltung: Kunsthalle Bielefeld

Eintritt frei, Einlass ab 15:30 Uhr in den Vortragssaal der Kunsthalle Bielefeld.

Kunsthalle Bielefeld
Newsletter

Keine Veranstaltung mehr verpassen? Bielefeld JETZT abonnieren!