Le Kiss Deux | 2015 | Tinte auf Papier | Courtesy Privatsammlung

KÖPFE, KÜSSE, KÄMPFE

Nicole Eisenman und die Modernen

Die Kunsthalle Bielefeld freut sich, mit „Köpfe, Küsse, Kämpfe. Nicole Eisenman und die Modernen“ erstmals in Deutschland einen umfassenden Einblick in das malerische und zeichnerische Werk der amerikanischen Malerin und Bildhauerin Nicole Eisenman (*1965 in Verdun, Frankreich, lebt in New York) zu präsentieren. Ausgestellt werden rund 80 Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen seit den 1990er Jahren bis heute auf beiden Stockwerken des Hauses. Gemeinsam mit der Künstlerin entwickelt, werden ihre Arbeiten von Werken aus der klassischen Moderne begleitet, von Max Beckmann, Paula Modersohn-Becker oder James Ensor, über Vincent van Gogh, Käthe Kollwitz, Pablo Picasso, Hermann Stenner oder Felix Valloton.
In ihrem figurativen Werk komprimiert Nicole Eisenman politische wie auch persönliche Spannungen, Ambivalenzen und Abgründe, wie sie als gesellschaftliche Bewegungen in MeToo, Black Lives Matter oder Fridays for Future sichtbar werden, bildnerisch virtuos in allegorischen Formen. Nicht nur Elemente der Medien-, Pop- und Subkultur, wie Comics, Werbung oder politische Satire finden einen Widerhall, sondern ebenso die Geschichte der Malerei von der Renaissance bis hin zur Moderne. Die Werke der Moderne, die aus den Sammlungen der kooperierenden Ausstellungshäuser stammen, erweitern den historischen Resonanzraum Eisenmans. Umgekehrt lässt die Zusammenschau der Ungleichzeitigkeiten die Moderne neu sehen. Neben lange schon kanonisierten Positionen, können auch Künstler*innen, die national eine wichtige Rolle innerhalb der Künstlergemeinschaft spielten, wie Gerd Arntz in den Niederlanden, Alice Bailly in der Schweiz und Hermann Stenner in Deutschland, entdeckt werden.
Einige der grundlegenden Fragen, die Nicole Eisenman aufwirft, waren auch in den ersten Jahrzehnten des vorherigen Jahrhunderts zentral, etwa die Suche nach einem Identitätsgefühl jenseits binärer Geschlechterrollen und sozialer Konventionen, die Rolle des Individuums in einer anonymen Massengesellschaft und die Bedrängnis durch rasant fortschreitende technische Entwicklung. Bei der Zusammenschau von Nicole Eisenmans vielschichtigem Werk mit Arbeiten der Moderne geht es nicht um kunsthistorische Referenzen, sondern um die Intensivierung unseres Blickes auf die Gegenwart und Geschichte, wie sie bereits in ihrem Werk selbst angelegt ist. Eisenmans tiefgründige Gesellschaftsbilder muten gleichzeitig abgründig-dunkel und visionär-poetisch an. Sie arbeiten mit dem Paradox, die neuralgischen Stellen der Gegenwart mitunter mittels sedimentierter historischer Formen präzise zu fassen.
Die Ausstellung ist gemeinsam mit der Künstlerin und in enger Kooperation mit dem Aargauer Kunsthaus, Aarau (Katharina Ammann), der Fondation Vincent van Gogh Arles (Bice Curiger), und dem Kunstmuseum Den Haag (Daniel Koep) entwickelt.

Kunsthalle Bielefeld
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