Recycelter Bielefeld-Pullover

Die Recycling Roadshow kommt nach Bielefeld

Wie viele alte, kaputte oder aussortierte Jeans schlummern wohl in Bielefelder Kleiderschränken? Wahrscheinlich eine ganze Menge!

Bielefeld ist der nächste Halt der Recycling Roadshow vom Unternehmen Blue LOOP Originals. Stadt und Unternehmen wollen gemeinsam ein Bewusstsein schaffen für nachhaltiges Handeln im Bereich der Bekleidungsherstellung.

Jedes Jahr landen große Mengen alter, abgetragener Jeans auf der Müllkippe und werden sinnlos verbrannt. Dabei ist es möglich der Lieblingsjeans ein zweites, wertvolles Leben zu schenken – als kuscheliger und cooler Sweater, nachhaltig produziert in Portugal. Deshalb sind alle Bielefelder:innen ab dem 09.10.2021 aufgerufen, den Kleiderschrank zu lüften und ihre alten Jeans in den zahlreichen Sammelstellen überall in Bielefeld abzugeben. Bis zum 20.11.2021 sollen möglichst viele alte, abgetragene, zu klein oder zu groß gewordene Denims gesammelt werden, um daraus den ersten jeansrecycelten „Bielefeld -Sweater“ zu produzieren. 

Weitere Informationen zum Kauf des fertigen "Bielefeld-Sweaters" folgen hier. 

Liste der Sammelstellen:



Bobbert (Biohof)

Alleestr. 3
33649 Bielefeld

Fairticken (Green Fashion)

Wilhelmstr. 9
33602 Bielefeld

Heeper Lädchen (Unverpackt Laden)

Hillegosser Str. 31
33719 Bielefeld

Köckerhof (Biohof)

Babenhauser Str. 30
33169 Bielefeld

Losgelöst (Unverpackt Laden)

Weststraße 54
33615 Bielefeld

Maas (Naturmode)

Obernstr. 51
33602 Bielefeld

Stadtbibliothek Bielefeld

Neumarkt 1
33602 Bielefeld

Unterwegs (Outdoor-Store)

Obernstr. 38
33602 Bielefeld

Wertstoffhof Mitte

Herforder Str. 220
33609 Bielefeld

Secondhand Cityladen (RecyclingBörse)

Grosse Kurfürstenstraße 81
(EG im Parkhaus Jöllenbecker Str.)
33615 Bielefeld

Secondhand Kaufhaus (RecyclingBörse)   Blomestr. 29
33609 Bielefeld
(Zufahrt auch über Eckendorfer Straße vor Mr. Wash)

 

Q&A beantwortet von André Weise (Ideavelop)

Lohnt sich der weite Weg hin und zurück nach Portugal, oder gehen die Jeans nicht einfach besser in den Altkleidercontainer?

Der Transport der Jeans geht erst mal nach Gronau in Westfalen, das sind von Bielefeld aus knapp 140km. Die dort hergestellte Reissfaser wird dann bei Spoerry/CH zu dem Garn verarbeitet, aus dem in Portugal ein Sweater wird. Klar, es sind Wege zurückzulegen. Aber im Verhältnis sind diese Wege doch recht kurz, verglichen mit dem Weg von bspw. Schanghai oder Bangladesch nach Rotterdam und von dort aus weiter zum Handel. Man muss sich immer die Relationen bewusst machen und sich die Frage stellen, was die Alternativen sind. Wird die Jeans nicht recycelt, geht der Rohstoff verloren. Das hat zur Folge, dass auf Flächen, die zur Nahrungsgewinnung genutzt werden könnten, frische Baumwolle angebaut werden muss. Bewässert mit wertvollem Wasser, das dann auch irgendwo fehlt. 

Beinhaltet ‚naturfarben‘ einen Bleichprozess? Finden solche Prozesse mit Chemie statt? Wie läuft der ab?

Ungefärbt ist nicht gleichbedeutend mit gebleicht. Die Außenseite des Sweaters ist ungebleichte Baumwolle aus GOTS zertifizierten Anbau in Europa. Baumwolle vom Strauch ist nicht rein weiß.
Daher ist der Sweater außen nicht weiß (was gebleicht wäre) sondern sehr hell beige mit Melange Look. Auch die recycelte Bio Baumwolle im Sweater ist ungebleichter Textilabfall der ohne unser Recycling nutzlos verbrannt würde - und hier kommen wir wieder bei obigen Argumenten an. Die Innenseite des Sweaters besteht aus den recycelten Jeans und der nachhaltigen Naturfaser Tencel, hergestellt in Österreich. Diese und die Jeansfaser werden vermischt und gesponnen. Man erkennt den Anteil der Jeans im Futter an der unregelmäßigen Struktur und der blauen Einfärbung. Es findet keinerlei Bleichung statt

Jeans = Gratisrohstoff? 

Ein Kilo alter Jeans bringt auf dem Markt nicht viel. Der Aufwand des Sammelns und der Transport nach Gronau fressen Erlöse in Form des Kilopreises auf. Anders als beim Grünen Punkt muss der Konsument hier nichts für das Recycling in Form von Müllgebühren, Umlage der Kosten des Produzenten und Inverkehrbringens von Verpackungen (LUCI) auf den Verbraucher etc. bezahlen. Auch Glasflaschen und Gläser (Marmelade, Olivenöl, Wein, Säfte), die nicht mit Pfand belegt sind, bringen wir alle gerne zum Altglascontainer, um es dem Recycling zu zuführen. Stellen wir da nicht auch Rohstoff kostenfrei zur Verfügung? Wir bezahlen sogar dafür, das Glas wird schließlich auch abgeholt, transportiert und verarbeitet - und das verursacht Kosten. Mit Strom oder Wasserstoff fahren die LKW nicht ... Es wäre gut, Textilrecycling ähnlich zu etablieren wie bei Altpapier, Verpackungen und Glas. Um genau dieses Bewusstsein geht es bei der Aktion.

 

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