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Ute Frevert, Berlin: Verfassungsgefühle – und was sie für die Demokratie bedeuten
Norbert Elias-Lectures
Prof. Dr. Dr. h.c. Ute FrevertVerfassungsgefühle – und was sie für die Demokratie bedeuten
Jede Demokratie braucht (und hat) eine Verfassung – aber braucht (und hat) sie auch Verfassungsgefühle? In den USA erübrigt sich die Frage: Amerikaner sind bekannt für ihre starke emotionale Verbundenheit mit der constitution (so unvollkommen und reformbedürftig sie auch ist). Deutschland hat eine andere Geschichte. Einem großen Verfassungsenthusiasmus im frühen und mittleren 19. Jahrhundert folgte emotionale Dürre. Die Weimarer Republik unternahm dann vielfältige Anstrengungen, die Bindung ihrer Bürger an die Verfassung zu stärken. Warum sie dabei wenig erfolgreich war, beleuchtet der Vortrag, der sich anschließend mit den deutsch-deutschen Neuanfängen 1949 und den Entwicklungen bis heute beschäftigt.
Ute Frevert ist Historikerin und Direktorin em. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wo sie von 2008 bis 2024 den Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ leitete. Zuvor lehrte sie u.a. an der Universität Bielefeld und der Yale University als Professorin für Deutsche Geschichte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Sozial-, Kultur- und Politikgeschichte der Moderne. Frevert ist Präsidentin der Max Weber Stiftung, Mitglied der Leopoldina und der BBAW sowie Corresponding Fellow der British Academy for the Humanities and Social Sciences, London. Ausgezeichnet wurde sie u. a. mit dem Leibniz-Preis (1998), dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2016) und dem Sigmund-Freud-Preis (2020). Zur Emotionsgeschichte veröffentlichte sie u.a. Gefühle in der Geschichte (2021) und Writing the History of Emotions: Concepts and Practices, Economies and Politics (2024).
Raum: X-E0-001