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Karte bitte wandern lassen
Zwei Widerstandskämpfer im Dritten Reich
In diesem Sommer präsentiert die Kultur-AG in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Heepen-Oldentrup in Kooperation mit der Hans-Fallada-Gesellschaft die Ausstellung „Otto und Elise Hampel – Karte bitte wandern lassen“. Zur Eröffnung werden Kurator Christian Winterstein, Vorsitzender der Hans-Fallada-Gesellschaft e. V., und der Historiker Wilhelm Holthus aus dem Roman Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada lesen, in dem dieser das Schicksal der Eheleute literarisch verarbeitet hat.
Ausstellung und Roman erinnern an ein unscheinbares Berliner Arbeiterehepaar, das zwischen 1940 und 1942 mit Postkarten und Flugzetteln zum Sturz des Naziregimes und zur Beendigung des Krieges aufrief. Sie verteilten weit über 200 Postkarten und Flugzettel, die sie in Treppenhäusern und Briefkästen hinterlegten. Die allermeisten davon wurden von ihren Findern, offenbar aus Angst vor Repressalien, bei der Polizei abgegeben. Nach zwei Jahren illegaler Untergrundtätigkeit wurden die Hampels denunziert. 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, starben sie noch im gleichen Jahr unter dem Fallbeil der Hinrichtungsstätte Plötzensee.
Die Ausstellung stellt fotografische Reproduktionen der Original-Postkarten und -Flugzettel aus dem Bundesarchiv Berlin in den Mittelpunkt, Einführungstexte dazu vertiefen die Präsentation. Sie hält sich ganz an den realen Ablauf der Geschichte, so wie sie sich in den im Bundesarchiv überlieferten Gestapo- und Nazijustiz-Akten zeigt. Mit ihr soll daran erinnert werden, dass es Menschen gegeben hat, die in einer gesellschaftlichen Umgebung, die geprägt war von Anpassungsdruck und barbarischer Herrschaft, das Empfinden für Gerechtigkeit nicht verloren hatten und die, allein und auf sich gestellt, den Mut und die Hoffnung fanden, praktisch Widerstand zu leisten.
Begleitend sind Bilder des Bielefelder Grafikers Peter Flachmann zu sehen, die sich des Themas Widerstand annehmen und die er eigens für diese Ausstellung gemalt hat. Außerdem läuft in der Sakristei der Film „Meine Kindheit im Krieg“, den Detlev Hamann mit Zeitzeugen auch aus Bielefeld produziert hat.
Die Kultur-AG in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Heepen-Oldentrup nimmt damit, wie schon 2025 mit der Ausstellung zu Paul Schneider, dem ersten in einem Konzentrationslager gezielt ermordeten evangelischen Pfarrer, erneut den Themenkomplex „Widerstand gegen Rechtsextremismus“ auf und möchte sich auf diesem Wege in die aktuelle Diskussion zu den Gefahren extremistischer Weltanschauungen für unsere Demokratie einbringen.
Die Ausstellung kann vom 6. Juli bis zum 30. August während der Offenen Kirche (sonntags bis freitags von 15 bis 17 Uhr) in der Peter-und-Pauls-Kirche, Heeper Str. 437 besucht werden.
Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die Kulturarbeit in der Kirchengemeinde Heepen-Oldentrup wird gebeten.
Infos
Heeper Straße 439
33719 Bielefeld
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Heepen-Oldentrup